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Der Dreck aus den Druckern und die Folgen

Marion, 55 J., Justizbeamtin mittlerer Dienst

"Meine Einwände, dass ich in all den Dienstjahren so gut wie nie krank gewesen bin und immer pflichtbewusst und korrekt auch über das normale Maß hinaus meinen Dienst ausgeübt habe, interessiert nicht."

Im Laufe des Jahres 2005 veränderte sich mein Arbeitspensum bei der Staatsanwaltschaft in der Art, dass ich zusätzlich zur normalen Aktenbearbeitung täglich zwischen 4-5 Stunden am Großkopierer Ablichtungen fertigen musste. Bereits Anfang 2006 zeigten sich dann folgende Symptome mit zunehmender Schwere: brennende und tränende Augen, ständige Heiserkeit bis hin zum Versagen der Stimme, hartnäckiger Husten, vermehrter Nasensekretfluss, entzündliche Hautausschläge an Kopf, Gesicht und Oberkörper, Sodbrennen, Magenschmerzen, heftige, teilweise über mehrere Tage oder Wochen andauernde Kopfschmerzen, manchmal mit Übelkeit und Erbrechen, Gleichgewichtsstörungen, Konzentrationsstörungen bzw. Gedächtnisverlust, Entzündungen der Harnblase sowie Zahnwurzel- und Kieferentzündungen ohne erkennbaren Grund. Ca. 2008 hatte ich Schmerzen in den Beinen, beginnend in Gesäßhöhe mit Ausstrahlung bis ins Knie oder die Wade (schon der Beginn der Fibromyalgie). Zunächst bestand der Verdacht auf Ischias, was sich jedoch nicht bestätigte. Ende 2008 hatte ich einen Bandscheibenvorfall im Bereich C5/6, C6/7 sowie Th3/4.

Anfang 2009 entnahm ich dem Großkopierer Canon Super G3 sowie meinem Arbeitsplatzdrucker Brother HL-5150D, welcher direkt mit auf meinem Schreibtisch steht, eine Tonerprobe und ließ einen ITT (= Immuntoleranztest) machen. Alarmierend waren die Werte des Kopierers (TNF-alpha 149,79 und IFN-gamma 5,57). Zahlreiche Untersuchungen und Lungentests beim Lungenfacharzt ergaben, dass sich eine bronchiale Hyperreagibilität und eine restriktive Ventilationseinschränkung nach inhalativer Exposition am Arbeitsplatz entwickelt haben; andere Allergien wurden nach Atopie-Screening ausgeschlossen. Zusammen mit den entsprechenden Arztberichten legte ich im Januar 2009 meinem Arbeitgeber eine Dienstunfallanzeige vor. Daraufhin bekam ich nach 2 Monaten einen Bescheid von der Generalstaatsanwaltschaft, dass die angezeigten Erkrankungen nach dem Beamtengesetz nicht als Dienstunfall anerkannt werden können, da die Erkrankung nicht an einen bestimmten Tag bzw. Uhrzeit festgemacht werden kann, außerdem können nur Techniker daran erkranken, nicht aber "normale" Beamte mit Bürotätigkeit. Außerdem könne ich den Kausalzusammenhang zwischen der Tonerstaubbelastung in den Diensträumen und meinen Erkrankungen nicht nachweisen. Zur Verbesserung meines "Wohlbefindens"; sollte mir ein Tintenstrahldrucker im Austausch zur Verfügung gestellt werden (ist bis heute - 2012 - nicht geschehen; nutzt auch nichts, da meine Zimmerkollegin in 1 Meter Entfernung ebenfalls mit einem Brother- Laserdrucker arbeitet; der Großkopierer bleibt ebenfalls unangetastet!). Auch meine Beschwerde gegen diesen Bescheid wurde entsprechend beantwortet.

Im Laufe des Jahres 2010 verschlechterte sich mein Gesundheitszustand: Schwindel, Ohrgeräusche, schwankender und plötzlich zu hoher Blutdruck, Verdacht auf Tinnitus, Schlafstörungen. Medizinische Ursachen wurden diesbezüglich nicht gefunden.

Seit Anfang 2011 habe ich zu den bestehenden Beschwerden über mindestens 5 Monate heftige Dauerkopfschmerzen bekommen, ebenso Schmerzen in den Hüften und Gliedmaßen, Schwellungen in den Beinen. Ich konnte weder hocken, knien noch Treppen steigen (muss ich aber im Büro, Akten vom Fußboden bis zur Zimmerdecke, teilweise nur per Leiter erreichbar). Ab dem 11. Oktober 2011 bin ich krankgeschrieben, weil ich zum Schluss auch nicht mehr gehen konnte. Mir knickten oft sogar die Beine ein, so dass ich vermehrt stürzte und nicht mehr aufstehen konnte.

Nach zahlreichen Untersuchungen und Tests wurde dann im Februar 2012 eine Fibromyalgie diagnostiziert. Im März 2012 wurde ich dann dem Amtsarzt vorgestellt. Ich soll aufgrund des Gutachtens mit sofortiger Wirkung in den vorzeitigen Ruhestand versetzt werden. Da ich erst 56 Jahre alt werde, habe ich dadurch hohe finanzielle Einbußen. Meine Einwände, dass ich in all den Dienstjahren so gut wie nie krank gewesen bin und immer pflichtbewusst und korrekt auch über das normale Maß hinaus meinen Dienst ausgeübt habe, interessiert nicht. Man will mich so schnell wie möglich loswerden, natürlich ohne Anerkennung einer Berufskrankheit.

Leider habe ich während meiner Arzt-Odyssee feststellen müssen, dass sich fast ausnahmslos niemand für Tonerstaubbelastungen interessiert, teilweise wird man sogar als Simulant hingestellt.
Doch tröstlich ist für mich, dass ich nun endlich eine Diagnose und damit einen Ansatz für eine Therapie gegen meine Beschwerden, speziell die Schmerzen in den Gliedmaßen, habe.


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